Mittwoch, 6. November 2019

Starboard Jeans...

Längere Zeit habe ich nichts genäht. Mir fehlte der Elan. Aber dann fügte sich eins zum andern und dann ging alles ganz schnell. Wobei „schnell“ im Zusammenhang mit Jeans nähen relativ ist... Das ist mit den ganzen Ziernähten eher meditativ. Sofern man sich nicht zu arg über schiefe Nähte, die Passform und mit Anpassungen rumärgen muss.. .

Aber zurück auf Anfang – zufällig begegnete mir auf Instagram die Starboard Jeans von PaperCut Patterns. Mit den Reißverschlüssen an der Hüfte hat sie mir sofort gefallen. Genau wie an meiner Lieblingskaufjeans! Dann rief Selmin von Tweed&Greet auch noch „Jeans“ zum Monatsmotto aus und bei Zuleeg stand das langersehnte Nähtreffen an. Perfekt, oder?
Bei so einem Nähtreffen wird zwar viel gequatscht, aber man hat auch Zeit konzentriert und an einem Stück an einem Teil zu arbeiten. Und steht man mal auf dem Schlauch, weiß bestimmt eine aus der Runde weiter...


Auf dem Schlauch stand ich nicht nur einmal... BeiPaper Cut Patterns handelt es sich um ein neuseeländisches Label. Entsprechend ist die Anleitung auf englisch. Die Maßangaben sind jedoch in cm und inches angegeben, so dass man nicht umrechnen muss. Auch gibt es eine Körpermaß und eine Fertigmaßtabelle Die Nahtzugabe ist auch schon inkludiert.

Die Anleitung ist mit technischen Zeichnungen bebildert und mit knappen Sätzen dazu erläutert. In den meisten Fällen ist es auch ausreichend, sofern man konzentriert liest (ab einer bestimmten jedoch Uhrzeit schwierig...). Beim Einsetzten des Reißverschlusses habe ich Murks gemacht (er sitzt eigentlich nicht weit genug drinnen und ich habe mit der Hand etwas zugenäht) und auch jetzt beim Nachlesen in der Anleitung ist mir nicht klar was schiefgelaufen ist...


Die Reißverschlüsse an der Hüfte sind ausreichend erklärt. Allerdings sind sie ziemlich fummelig zu nähen. So wird erst eine Sicherungsnaht entlang der Taschenmarkierung genäht, anschließend aufgeschnitten und umgebügelt. Dann der Taschenbeutel am Reißverschluss angenäht und zusammen in das „Loch“ eingefügt und festgenäht. Der Taschenbeutel wird anschließend hochgeklappt und mit der eigentlichen Taschennaht zusammen genäht. Da ich mir die Anleitung nicht vor dem Zuschnitt durch gelesen habe, stehen meine Herzchen jetzt Kopf, aber Pssssst...
Bei der Wahl des Taschenfutters solltet ihr auf einen möglichst dünnen, nicht auftragenden Stoff zurückgreifen, damit sich beim Tragen die Taschenbeutel nicht durchdrücken. Letztendlich liegen dort nämlich 4 Lagen Stoff übereinander.


Trotz Verstärkung des Taschenbereichs mit Vliseline, ist der Jeansstoff an den Ecken etwas ausgefranst. Um weiteres ausfransen zu vermeiden, habe ich einige Tropfen Fransenstop von Prym drauf geträufelt. Ich hoffe es hilft...

Eigentlich sieht der Schnitt auch noch Reißverschlüsse an den Waden vor. Auf die habe ich jedoch verzichtet.


Die Starboard Jeans ist für Jeans mit bis zu 5% Elasthan vorgesehen. Also perfekt für meinen Stoff vom Stoffmarkt der irgendwann mal in den Einkaufkorb wanderte. Er ist relativ fest und mit unbekannten Anteil an Elasthan. Deshalb bin ich auch größentechnisch sicher gegangen.


Vom Gefühl her, hätte ich eine XS (zweit kleinste Größe) genäht. Aber da mein Taillenwert zwischen S und M lag, habe ich mich für S entschieden. Nach dem Heften (das kann ich beim Hosen nähen nur empfehlen) war klar, dass XS bis auf am Bund ausreichend ist. Entsprechend habe ich obenrum alles kleiner genäht und im Hüftbereich sogar noch etwa 0,5cm weggenommen. Vor lauter "sitzt es oben rum gut", habe ich völlig vergessen auch Weite an der Wade herauszunehmen. Jetzt ist mein Bein etwas gerader als gedacht. Stört mich aber nicht. Zu mal sich vielleicht nach dem Waschen der Stoff doch noch mal verändert. Trotz vorwaschen....


Ansonsten habe ich bei dem Schnitt 2,5cm Leibhöhe herausgenommen. So endet der Bund genau an der Oberkante meines Hüftknochens. Optisch gesehen könnte bei mir der Bund vielleicht sogar noch mal 2 cm weiter runter. Zumal ich meist meine Shirts über der Hose oder mit Sidetuck trage. Tragekomfortechnisch ist die Hose so wie sie ist sehr bequem. Nix kneift, nix drückt und es gibt kein Bauarbeiterdecolté beim Sitzen. Das ist nicht zu verachten...


Auch wenn die Hose recht aufwendig zu nähen ist, hat sie mir viel Freude beim Nähen bereitet und ist, bis auf Saum, Gürtelschlaufen und Knopf/Knopfloch beim Nähtreffen fertig geworden. Zumal ich vorher noch einen Cardigan als Upcycling Projekt genäht hatte. Ich habe mein Elan endlich wieder...

Oben seht ihr das neu entstandene Ensemble.

Verlinkt mit MeMadeMittwoch, Tweed&Greet
Schnitte: Starboard Jeans von Paper Cut Patterns, Shirtbox von Elle Puls (mit geändertem Ausschnitt), Picea Cardigan von Fabelwald
Stoffe: Jeans und Jersey vom Stoffmarkt, aussortierte Strickpullis vom Mann


Es handelt sich bei diesem Text um ein Erfahrungsbericht. Die Verlinkungen im Text sehe ich als Service meinerseits. Zumal alle Stoffe und Schnitte wurden von mir erworben wurden